{"id":37384,"date":"2014-07-29T07:38:56","date_gmt":"2014-07-29T05:38:56","guid":{"rendered":"http:\/\/regementarz.pl\/?p=420"},"modified":"2014-07-29T07:38:56","modified_gmt":"2014-07-29T05:38:56","slug":"go-ost","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ooops.pl\/?p=37384","title":{"rendered":"\u201eGO OST\u201d"},"content":{"rendered":"<p>Der Zorn Gottes in Rock gegossen \u2013 nicht umsonst hie\u00df die Deb\u00fctsingle von Armia \u201eAguirre\u201c. Vermittelndes Mastermind der Armia-Ursprungskonstellation, Ideengeber und Gast auf vielen Armia\u2013 und Izrael\u2013Platten war S\u0142awomir Go\u0142aszewski.<br \/>\nKlarinettist und Betreiber eines psychedelischen Projekts namens Asunta, aber vor allem Philosoph, der nach alten scholastischen Methoden studiert hatte, und davon ausgehend Verbreiter der Rasta\u2013Philosophie in Polen.<br \/>\nDar\u00fcber hinaus fungierte Go\u0142aszewski als Kompilator der ersten wirklichen Underground \u2013 LP \u201eFala\u201c, die 1985 als eine Art Soundtrack zum gleichnamigen Jarocin \u2013 Dokumentarfilm erschien und neben vielen aktuellen Sounds zwischen Punk und Reggae auch ein St\u00fcck der l\u00e4ngst aufgel\u00f6sten Kryzys pr\u00e4sentierte.<\/p>\n<p>Als mich die Armia\u2013Wucht zum ersten Mal traf, kam sie nat\u00fcrlich aus dem Radio: 14. Mai 1988, bei DT64, im \u201eParocktikum\u201c, wo sonst. Holger Luckas im Bericht \u00fcber das zweite \u201eMarchewka\u2013Festival\u201c in Warschau (die dritte Reisen der anderen): \u201eSchneller, intelligent gespielter, abwechslungsreicher Punk. Brylewskis Gitarrenspiel \u00fcberzeugte derart, dass zumindest optisch waschechte Punks am Rande der pogo\u2013tanzenden Meute in sch\u00f6nster Siebziger\u2013Jahre\u2013Manier verz\u00fcckt die Phantomgitarre bedienten\u2026 Zu Gesang, Gitarre, Bass und Schlagzeug gesellte sich ein Hornist, der Banan hei\u00dfen soll und auch bei anderen Bands dieses Festivals mitwirkte, bei KULT und T.LOVE.<br \/>\nSein charakteristisches, wuchtiges Hornspiel erinnert an den Bl\u00e4sereinsatz bei Laibach.\u201c<\/p>\n<p>Die aber kannte ich noch gar nicht, und so war das Stichwort f\u00fcr mich wahrscheinlich \u201epogo\u2013tanzende Meute\u201c. In eine solche warf ich mich dann ja auch im n\u00e4chsten Jahr, inzwischen selbst Mitglied einer ganz anderen Volksarmee. Verzweifelt\u2013ekstatischer Urlaubspogo in der Werner\u2013Seelenbinder\u2013Halle, Ende September 1989, als die DDR in den letzten Z\u00fcgen lag, man nur noch nichts davon wusste, sondern allein das Gef\u00fchl hatte, es m\u00fcsste nicht nur, sondern es w\u00fcrde sich bald etwas \u00e4ndern.  Man selbst sein Leben sowieso. Armia hingegen, die den Saal mit ungewohnt professioneller H\u00e4rte aufmischten,<br \/>\nkamen da schon aus einem sich rasant \u00e4ndernden Land.<\/p>\n<p>Was ich zudem vorher schon kannte, war der Song \u201eAnti-Armia\u201c, ein beliebter Pogo\u2013Track von Die Firma, eine sehr freie englisch\u2013deutsche Cover\u2013Version der Bandhymne \u201eNiewidzialna Armia\u201c, deren Text im Booklet einer ihrer Kassetten zu finden war, die ich 1987 nach einem Konzert im Berliner Jugendklub Tierpark erworben hatte:<\/p>\n<ol>Unsere Herzen sind wie Knoten<br \/>\nUnsere Gedanken sind wie Schatten<br \/>\nUnsere Momente sind wie ein Jahr<br \/>\nUnsere Tage sind wie die N\u00e4chte<br \/>\nUnsere Worte sind wie Blut<br \/>\nUnsere Schritte sind wie ein Regen<br \/>\nUnsere Augen sind wie ein Traum<br \/>\nUnser Leben ist wie ein Song<br \/>\nWir sind die Lacher, die allm\u00e4chtigen Lacher<br \/>\nWir singen von der vergessenen F\u00fclle<br \/>\nWir sind die angesiedelten Siedler<br \/>\nWir sind eine Armee<br \/>\nWir sind die unsichtbare Armee<\/ol>\n<p>In rauchig leidvoller Stimme von der sp\u00e4ter als Stasi\u2013IM enttarnten Bassistin und S\u00e4ngerin Tatjana [Besson] ins Mikro gest\u00f6hnt beziehungsweise gedr\u00f6hnt\u2026 G\u00e4nsehaut. Oder auch ein wenig: gesungene Poesie am romantisch gekr\u00e4uselten Rand zum Kitsch. Je nach Betrachtungsoder H\u00f6rwinkel. Im Original zitiert zudem auf jenem Armia\u2013Plakat, das mir in Swinoujscie geschenkt worden war.<\/p>\n<ol><strong><a href=\"http:\/\/www.ventil-verlag.de\/titel\/1585\/go-ost\">GO OST<\/a><\/strong><br \/>\nKlang \u2013 Zeit \u2013 Raum<br \/>\nby<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.zonic-online.de\/\"><strong>Alexander Pehlemann<\/strong><\/a><br \/>\n\u00a9 Ventil Verlag 2o14<\/ol>\n<p>[ss. 34,35]<br \/>\n<br \/><a href=\"http:\/\/www.ventil-verlag.de\/titel\/1585\/go-ost\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ooops.pl\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/go_ost.jpg\" alt=\"go_ost\" width=\"472\" height=\"700\" class=\"alignleft size-full wp-image-422\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Zorn Gottes in Rock gegossen \u2013 nicht umsonst hie\u00df die Deb\u00fctsingle von Armia \u201eAguirre\u201c. 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